Leserbrief vom 27.11.2017

 

Sehr geehrte Damen und Herren von der Redaktion des Darmstädter Echos,

Ich bitte um Veröffentlichung des u.a. Leserbriefs zum Artikel in der Ausgabe des DE von heute: Grüße auf feinstem Papier.

Ich habe mich sehr gefreut, endlich mal wieder ein Artikel über das Druckmuseum in der Kirschenallee 88 im Echo zu lesen. Nicht nur die Schriftgießerei von Rainer Gerstenberg, sondern auch die Sammlung im ersten Stock des Hause ist von internationalem Rang. Im Keller lagern zigtausende Lithosteine. Die Geschichte des Darmstädter Verlagswesens. Wie kann es sein, dass sich in Darmstadt so wenige für diesen Schatz interessieren? Ich war am Wochenende in Hamburg. Dort gibt es im Museum für Arbeit eine im Vergleich zum Darmstädter Druckmuseum bescheidene Museumsdruckerei ebenfalls von ehemaligen Setzern und Druckern ehrenamtlich betrieben. Aber die Wertschätzung für diese Arbeit ist dort eine ganz andere. In allen Publikationen der Hansestadt findet sich das Haus an prominenter Stelle. Es werden jährlich zwei Publikatonen produziert, die sich mit der Geschichte des handwerklichen Druckens beschäftigen. Das Haus ist selbsverständlich an allen Museumstagen ganztägig geöffnet.
In Darmstadt dagegen hat man den Eindruck, das Druckmuseum werde vor der Öffentlichkeit  regelrecht geheim gehalten. Ich empfinde es als skandalös, dass dieses Haus nur an drei Tagen für jeweils zwei Stunden geöffnet ist und das zu Zeiten, an denen kaum mit Besuchern zu rechnen ist. Noch schlimmer ist, dass das Schuldruckzentrum, das im 3. Stock Workshops u. a. für Schulklassen und Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte angeboten hat, im Druckmuseum nicht mehr arbeiten darf. Ohne die Vermittlung des kulturellen Reichtums, den das Druckmuseum zu bieten hat, an die jüngere Generation ist die vollständige Schließung des Hauses absehbar. Das Schuldruckzentrum hat zwar mit seinem Druckladen in der Karlstr. 21 eine Möglichkeit gefunden, seine Arbeit in bescheidenem Umfang fortzuführen. Wie lange Rainer Gerstenberg aber noch seine Schriftgießerei betreiben kann, weiß nur er und die Leitung des Hess. Landesmuseums. Es wäre erfreulich, wenn das Darmstädter Echo, dessen Geschichte auch im Druckmuseum zu besichtigen ist, sich  stärker für das vergessene Museum in der Kirschenallee 88 engagieren würde. Es gäbe viele spannende Geschichten zu erzählen auch abseits der seltenen Aktionstage. Vielleicht könnte das Echo einen Arbeitskreis initiieren, in dem VertreterInnen der Darmstädter Druckindustrie und weitere Freundinnen und Freunde des Hauses gerne auch aus der Politik darüber nachdenken, wie dieses wunderbare Kleinod für Darmstadt gesichert und besser zugänglich gemacht werden kann.

Mit freundlichen Grüßen

Matthias Heinrichs, Kölnerstr. 74, 64293 Darmstadt